Histaminintoleranz (HIT)

Histaminintoleranz (HIT)
Haben Sie den Eindruck, dass Sie Nahrungsmittel wie Rotwein, gereiften Käse, Salami, Thunfisch oder Tomaten nicht vertragen? Dass Sie darauf mit Kopfschmerzen, Herzklopfen, Schwindel oder Hautausschlag reagieren? In diesen Nahrungsmitteln stecken erhebliche Mengen an Histamin. Fehlt es an dem Enzym Diaminooxidase (DAO), kann Histamin nur vermindert abgebaut werden, was die allergieähnlichen Symptome auslöst.
Labor: Bestimmung von Histamin und Diaminoxidase (DAO) vor und nach einer zweiwöchigen histaminfreien bzw. histaminarmen Diät.
Nachweis von DAO im Blutserum: Normalwert größer 10 U/ml. Ein niedriger DAO-Wert im Blutserum unterstützt den Verdacht auf eine Histaminintoleranz bzw. eine Histaminüberempfindlichkeit. Ein hoher Histaminwert im Blut spricht ebenfalls für eine HIT.
Die Laboruntersuchungen von DAO und Histamin im Blut sind derzeit keine Kassenleistung.
Therapie: Konsequent histaminarme Ernährung. Ggf. zeitweise in Kombination mit Aufnahme des Enzyms DAO selbst (Nahrungsergänzung) oder mit spezieller Heilerde.

Histamin
Das Gewebshormon Histamin wird im Körper selbst gebildet. Es wird in Blut- und Gewebszellen (Mastzellen bzw. basophile Granulozyten) gelagert. Histamin steht jederzeit zur sofortigen Freisetzung bereit, um auf für den Organismus kritische Stoffe zu reagieren. Histamin ist der wichtigste Entzündungsstoff bei allergischen Erkrankungen wie Heuschnupfen und Asthma bronchiale.

Physiologische Wirkung von Histamin:
– Histamin stimuliert die Magensaftsekretion
– Histamin wirkt gefäßerweiternd und damit blutdrucksenkend
– Histamin wirkt als Neurotransmitter beim Schlaf-Wach-Rhythmus
– Histamin wirkt als Neurotransmitter bei der Appetitkontrolle

Histamin und das Enzym Diaminoxidase
Histamin gelangt auch von außen in den Körper, durch Essen und Trinken von histaminhaltigen Speisen. Es gelangt nach der Resorption im Darm in die Blutbahn.
Die Zellen der Darmschleimhaut, die sogenannten Enterozyten, produzieren und enthalten ein Enzym, das Histamin abbauen kann: Diaminooxidase (DAO). DAO wird kontinuierlich gebildet und in den Darm abgegeben.
Bei der Histaminintoleranz wird das mit der Nahrung aufgenommene Histamin wegen eines Mangels an dem Enzym Diaminoxidase (DAO) nicht ausreichend abgebaut.
Die HIT ist nicht angeboren, sondern erworben. Ursachen für einen DAO-Mangel können entzündliche oder degenerative Darmerkrankungen, die die Durchlässigkeit der Darmschleimhaut erhöhen und damit die Belastung des Körpers mit Histamin erhöhen. Ein Kupfermangel (DAO enthält Kupfer), Alkohol sowie Medikamente können ebenfalls einen Mangel an dem Enzym DAO hervorrufen.
Arzneimittel bzw. Substanzen, die Histamin freisetzen, sind beispielsweise Acetylsalicylsäure, NSAR, Röntgenkontrastmittel und Lokalanästhetika.

Unerwünschte Wirkungen von Histamin

Ein Ungleichgewicht zwischen Histamin-Aufnahme und Histamin-Abbau führt zu der Histaminintoleranz. Die unspezifischen und vielfältigen Symptome machen die Diagnose allerdings nicht einfach. Bei Verdacht auf eine Histaminintoleranz sollten im ersten Schritt Allergien und Darmerkrankungen ausgeschlossen werden.
– Kopfschmerzen, Migräne
– Schwindel
– Verstopfte Nase oder Fleißschnupfen (nach dem Essen)
– Bronchokonstriktion (bis hin zu Asthma)
– Schneller Puls (Tachykardie)
– Extrasystolen (Extraschläge) und Herzprobleme
– Niedriger Blutdruck (Hypotonie)
– Magen-Darm-Beschwerden (weicher Stuhl, Durchfall, Bauchschmerzen)
– Schwellungen der unteren Augenlider
– Exantheme (Nesselausschlag)
– Dysmenorrhoe

Histamin und Nahrungsmittel

Nahrungsmittel, die einen Reifeprozess durchmachen, bei dem Bakterien mitwirken, haben einen hohen Histamingehalt. Dies gilt insbesondere für proteinreiche Lebensmittel (Fleisch, Fisch) und fermentierte Lebensmittel (Sauerkraut, Käse, Wein, Sojasauce).
Hinzu kommt, dass der Histamingehalt von Lebensmittel stark abhängig von Herstellung, Zubereitung und Lagerung ist. Verdorbenes Fleisch oder verdorbener Fisch enthalten sehr große Mengen an Histamin.
Als allgemeine Ernährungsregel bei Histaminintoleranz gilt: Je frischer, desto besser.
Als überwiegend geeignet und gut verträglich gelten zum Beispiel:
– Frisches Gemüse wie Kohl (Rotkohl, Weißkohl, Blumenkohl), Brokkoli, Chicorée,
Blattsalate, Fenchel, Karotten, Gurken.
– Frisches Obst: Äpfel, Johannisbeeren, Heidelbeeren, Melonen, Aprikosen
– Reis, Mais, Hafer, Hirse
– Milch, Quark, Joghurt
– Wasser, Kräutertees

Beachten Sie, dass die Verträglichkeit bestimmter Speisen individuell verschieden ist. Wer 2 Wochen keine histaminreichen Lebensmittel wie Fisch (Makrele, Thunfisch, Hering), Käse, geräucherten Schinken, Rotwein und Spinat isst, kann ggf. eine Veränderung seiner Beschwerden beobachten. Daraus kann sich ein individueller Ernährungsplan entwickeln.

Weitere Informationen zu Nahrungsmittelunverträglichkeiten gibt es in den Büchern:
Laborwerte verstehen, Mankau Verlag, 5. Auflage 2018
Der Basen Doktor, Trias Verlag, 3. Auflage 2017